18:20 Ankunft auf der Dienstelle des Roten Kreuzes Linz-Stadt. Hinein ins Haus und in den Keller zu den Spinden gehoppelt. Raus aus den Zivilklamotten (wie bequem die doch bei dieser Hitze sind). Hinein in die Uniformhose – Sicherheitsschuhe – T-Shirt – Jacke. Das persönliche Equipment wie Anzahl der Einmalhandschuhe, Leatherman, Kugelschreiber, Taschenlampen geprüft – alles beisammen und weiter geht’s.
18:30 Dann gehe ich in den Aufenthaltsraum. Ein kurzer Blick auf den Dienstplan und ich weiß nun mit welchem Wagen wir fahren, wer mein Fahrer ist und ev. wer noch als Dritter mitfährt. Nun hole mir die beiden Pager und den Autoschlüssel. Ein paar KollegInnen vom Tagdienst und auch schon ein paar vom Nachtdienst begegnen mir. Beim Dienstwechsel herrscht immer relativ geschäftiges Treiben auf der Dienststelle. Die Stiegen hinunter in die Garage. Mal schauen ob unser SEW schon da ist, oder ob die Mannschaft von einer Fahrt noch nicht retour gekommen ist. Ah ja das Auto steht parat – somit kann ich gleich mal den Fahrzeugcheck durchführen. Diese Arbeit dauert in etwas 20 Minuten.
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Absaugeinheit prüfen - genug Absaugkatheter in verschiedenen Größen vorhanden (Ablaufdatum o.k.) |
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Vakuummatratze abgesaugt – hält dicht |
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Defi zeigt o.k. – Elektroden vorhanden und Ablaufdatum o.k. – Einwegrasierer und Zellstoff vorhanden |
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Flächendesinfektionsmittel und Händedesinfektionsmittel vorhanden |
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Wäsche (Tragenbezug, Decken- und Kopfpolsterbezüge, Einmalauflagen) ausreichend vorhanden |
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Verbandskoffer: Wundauflagen normal und Aluminiumbedampft, Leuko, Verbandspäckchen in versch. Größen und vieles mehr vorhanden und Ablaufdatum in Stichproben geprüft. |
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Geburtenkoffer: 2 Geburtenpäckchen o.k., sterile Schere oder Skalpell, Nabelschnurklemmen, Händedesinfektionsmittel, Oro-Sauger etc. vorhanden und o.k. |
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Notarztkoffer: Tuben in versch. Größen, Laryngoskop mit verschiedenen Aufsätzen vorhanden und Lichtquelle o.k., Ringer-Lösungen und Ablaufmaterial vorhanden und o.k., Einwegspritzen und Venflon in versch. Größen vorhanden und o.k. |
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Rescuebag: Ambubeutel mit Reservoir und verschiedenen Masken vorhanden. Auf Dichtheit geprüft – o.k., Sauerstoffvorrat o.k., Babyambu nach der selben Prozedur geprüft, Filter für beide Ambu’s ausreichend vorhanden, Blutdruckmesser f. Erwachsene und Kinder geprüft. Sauerstoffmasken f. Erwachsene und Kinder, mit und ohne Reservoir vorhanden. Kontamedbox vorhanden. Kopfhaube und Wundauflagen ebenfalls vorhanden. |
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Stifneck in verschiedenen Größen und in ausreichender Menge vorhanden |
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Samsplint ebenfalls in ausreichender Menge und gutem Zustand vorhanden |
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Einmalhandschuhe ausreichend vorhanden |
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Brechtassen mit Zellstoff ausreichend vorhanden |
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Gurte für Schaufeltrage vorhanden |
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Betttuch und große Verbrennungswundauflagen ebenfalls vorhanden und Ablaufdatum o.k. |
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Einwegspritzen in versch. Größen, Venenverweilkanülen in versch. Größen, Infusionsablaufgeräte, zusätzliche Absaugkatheter vorhanden |
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Zusätzliche Decke, Schienungsmaterial, Replantbeutel, Overall/Mundschutz/Brillen für Infektionstransport vorhanden. |
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Bettflasche und Leibschüssel vorhanden |
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Pflasterbox und div. Wundauflagen in allen Formen und Varianten vorhanden und Ablaufdatum o.k. |
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Suchscheinwerfer und die großen O2-Flaschen geprüft und o.k. |
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Schlüsselbund vorhanden |
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Einsatzberichte ausreichend vorhanden |
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PLS-Taschen etc. vorhanden und o.k |
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In der Zwischenzeit sollte auch der Fahrer eingetroffen sein. Dieser überprüft die Fahrtauglichkeit des Autos und der Sondersignalanlage.
18:50 Über die Lautsprecheranlage des Hauses hört man von der Leitzentrale: „Ein Fahrzeug vom Nachtdienst dringend für einen Einsatz anmelden“! Unsere Mannschaft ist im Moment noch nicht soweit um sich anzumelden. Eine andere Besatzung ist jedoch bereits fertig und meldet sich mit dem Datenterminal an. Wenige Sekunden später rückt der Wagen mit Blaulicht aus.
18:55 Bei uns ist nun alles soweit o.k.! Die Fahrzeugmannschaft ist vollständig. Über den Datenterminal wird angemeldet und die Pagerprobe abgewartet. Beide Pager in Ordnung und Pagerprobe bestätigt – dies ist der Beginn des Nachtdienstes.
19:00 Die Nachtdienstmannschaft sitzt in den Bereitschaftsräumen zusammen und quatscht, sieht fern, liest Bücher, blättert in Zeitschriften, spielt Karten oder mit dem Computer etc., etc., etc.,
19:15 Bei der ersten Mannschaft geht der Pager los. Ein gleich bleibender sich wiederholender Ton ist zu hören. Somit ist es kein Einsatz sondern ein „normaler“ Transport. Die Mannschaft begibt sich in die Garage zum SEW und rückt aus.
20:30 In der Zwischenzeit sind immer wieder mal Fahrzeuge ausgerückt nun schlägt auch bei uns der Pager an. Diesmal jedoch ein sich wiederholender Ton in zwei unterschiedlichen Tonhöhen – also ein Einsatz. Die Mannschaft begibt sich im Laufschritt zum SEW. Erster Blick auf den Datenterminal: Blaulicht, XXX-Straße Nr. X, reglose Person, NEF1 ebenfalls. Der Auftrag wird am Datenterminal akzeptiert und das Ausrücken bestätigt. Dem Einsatzfahrer ist die Örtlichkeit bekannt, also das Blaulicht eingeschaltet, Garagentor auf und ausrücken. Im Moment ist noch etwas Verkehr und wir fahren mit Folgetonhorn und Blaulicht durch die Straßen. Während der Fahrt wird schon mal der Einsatzbericht mit den vorhandenen Daten wie Auftrags-Nr., Alarmzeit, Dienstnummern der Mannschaft ausgefüllt. Einweghandschuhe anziehen und kurz überlegen welches Material mitgenommen wird.
20:37 Eintreffen am Einsatzort (das Eintreffen wird am Datenterminal bestätigt): Erster Eindruck noch aus dem Auto heraus – eine regungslose Person liegt auf der Straße – gute Gesichtsfarbe – Streifenwagen der Polizei trifft ebenfalls ein. Also hin zum Patienten – ansprechen, berühren, Schmerzreiz setzen – in der Zwischenzeit trifft auch schon das Notarzteinsatzfahrzeug ein – noch bevor sich der Arzt dem Patienten nähern kann, schlägt dieser die Augen auf. Offensichtlich hat die Person etwas über den Durst getrunken und ist einfach auf der Straße eingeschlafen. Der Arzt entscheidet, dass ein Transport nicht notwendig ist – zur Erleichterung des Patienten der eigentlich nur noch nach Hause möchte. Trotzdem werden sowohl von der Polizei als auch von uns die Daten wie Namen, Wohnort, Straße, Geb.-Datum aufgenommen. Dann verabschiedet sich die Person leicht wankenden Schrittes vom Einsatzort. Alle steigen wieder in die Fahrzeuge. NEF1 und wir rücken ein.
21:45 Wieder ein Einsatz mit dem ganzen Prozedere – diesmal Verdacht auf Herzinfarkt. Wieder NEF ebenfalls unterwegs. NEF und unser SEW treffen zeitgleich am Einsatzort ein. 5 Personen begeben sich im Laufschritt zur Wohnung. Der Patient klagt über ausstrahlende Schmerzen in der Brust und Atemnot. Der Blutdruck wird gemessen und ein venöser Zugang gelegt. Weiters wird dem Patienten Sauerstoff gegeben und vom Notfallsanitäter das EKG vorbereitet. Der Notarzt diagnostiziert einen Herzinfarkt und gibt weitere Medikamente. Der Patient wird liegend über das Stiegenhaus zum SEW gebracht. Dort wird der Patient mit allen an ihm hängenden Kabeln, Schläuchen und Gerätschaften in das Auto eingeladen. Arzt und Sanitäter begeben sich in den Patientenraum. Vom NEF-Sanitäter wird über die Leitzentrale das Krankenhaus vorverständigt und gibt den voraussichtlichen Zeitpunkt des Eintreffens im Krankenhaus bekannt – damit dort alles für unseren Patient bereit ist. Dann geht es mit vorsichtiger Fahrweise und mit Blaulicht ab ins Krankenhaus. Hinter unserem Wagen fährt der NEF mit Blaulicht nach. Der Zustand es Patienten wird während des Transportes vom Notarzt überwacht – in der Zwischenzeit werden noch Protokoll und Einsatzberichte geschrieben – je nach dem ob es der Zustand des Patienten erlaubt.
22:15 Eintreffen im Krankenhaus. Wieder wird Patient mit allen Geräten und Kabeln auf der Trage aus dem Auto ausgeladen. Wir fahren mit dem Lift zur Krankenhausaufnahme. Der Schockraum ist bereits vorbereitet und das notwendige Personal steht bereit. Notarzt und Krankenhausarzt führen das Übergabegespräch und der Patient wir umgebettet. Geräte entfernt und an die spitalseigenen Geräte angehängt. Zeitgleich wird der Patient von einem Kollegen bei der Krankenhausaufnahme angemeldet und die notwendigen Daten weitergegeben.
01:30 Mittlerweile habe ich mich den Schlafraum begeben und versuche etwas zu schlafen, was nicht unbedingt sehr einfach ist. Kaum ist man halbwegs eingedöst hört man in einem anderen Schlafraum wie der Pager losgeht. Darauf folgt ein Türengeräusch und sich entfernende Schritte am Gang (mal langsam und mal schneller). Jedesmal wenn man diese Geräusche hört denkt man: noch 3 Autos vor mir, noch 2 Autos vor mir, noch ein Auto vor mir. Und dann ist man schon der nächste in der Reihung und weiß beim nächsten Anruf auf der Leitzentrale ist es vorbei mit schlafen!
05:10 Wir haben die letzte Fahrt hinter uns und begeben uns wieder einmal in den Schlafraum. In der Zeit zwischen Dienstbeginn um 7 Uhr und jetzt haben wir an die 8 Transporte durchgeführt. Normale Transporte aber auch den einen oder anderen Einsatz. Wer jetzt glaubt, dass sich alles mit Blaulicht und Folgetonhorn abspielt hat sich getäuscht die Mehrzahl der Transporte sind Krankentransporte. Es gibt auch immer wieder mal Nachtdienste in denen man keinen einzigen Einsatz hat. Die Ausfahrten variieren von der Anzahl zwischen 6 und 10 Fahrten pro Nacht und Fahrzeug. Wobei man bei der letzteren Zahl so gut wie gar nicht zum Schlafen kommt und eigentlich ständig auf Achse ist.
06:45 Der Wecker läutet. Das Auto wird für die nachfolgende Mannschaft gereinigt, Mistkübel entleert, verbrauchtes Material nachgefüllt. Die persönlichen Sachen werden aus dem Auto genommen und die ausgefüllten Einsatzberichte mit nach oben in den Mannschaftsraum genommen.
07:00 Das Fahrzeug wird am Datenterminal als „nicht einsatzbereit“ abgemeldet. Im Mannschaftsraum werden die Einsatzberichte auf etwaige Fehler kontrolliert, wenn vorhanden der Transportschein dazugeheftet und abgelegt. Die Pager werden wieder im Kasten verstaut und der Schlüssel abgegeben. Somit ist der Dienst beendet. Müde begebe ich mich in den Keller zum Spind und wechsle die Klamotten, steige dann ins Auto und fahre nach Hause.
07:30 Meine Kinder sind hellwach und empfangen mich mit lauten Gekreische – logischerweise ohne Verständnis für den müden Papa – es riecht schon nasenbetäubend nach Kaffee den meine Frau schon gemacht hat – und der Familiensonntag kann beginnen. Wenigstens kann ich mittags für 2 Stunden auf’s Ohr hauen.
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